Könnten Sie das Pariser Büro der thailändischen Investitionsförderungsbehörde (BOI) kurz vorstellen?
Das Amt des Investitionsrats (BOI) ist eine Regierungsbehörde, die dem Amt des thailändischen Premierministers unterstellt ist. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, Investitionen zu fördern, indem wir sowohl ausländische Investitionen nach Thailand holen als auch thailändische Investitionen im Ausland unterstützen.
Die BOI-Niederlassung in Paris ist für sechs Länder zuständig: Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, das Vereinigte Königreich und Irland. Daher fungieren wir als zentraler Ansprechpartner für Investoren in dieser Region, die an Investitionsmöglichkeiten in Thailand interessiert sind.
Was waren die wichtigsten Etappen der Expansion des thailändischen BOI in Europa?
Die Expansion des BOI ins Ausland begann eigentlich in Asien: In den 1970er- bis 1990er-Jahren war Japan Thailands größter Quelle für ausländische Direktinvestitionen, insbesondere in Branchen wie der Automobilindustrie, der Elektronik, dem Maschinenbau und der Petrochemie. Japanische Unternehmen spielten eine wichtige Rolle bei der Industrialisierung Thailands, da die Hersteller ihre Produktion zunehmend nach Südostasien verlagerten. Aus diesem Grund konzentrierten sich die frühen Auslandsbemühungen des BOI stark auf Asien, insbesondere auf Japan und später auch auf andere ostasiatische Volkswirtschaften, um industrielle Partnerschaften aufzubauen, Investitionen anzuziehen und den Technologietransfer zu fördern.
Europa kam etwas später hinzu. Die erste europäische Niederlassung wurde 1975 in Frankfurt eröffnet und entwickelte sich zum Hauptstandort für die Ansprache europäischer Investoren und die Förderung Thailands als Investitionsstandort. Später, im Jahr 1992, wurde die BOI[VC1]-Niederlassung in Paris eröffnet.
Von da an entwickelte sich der Ansatz in Europa recht stetig weiter. Zunächst ging es vor allem um Werbung auf Messen und um Sensibilisierungsmaßnahmen. In den 2000er Jahren wurde der Ansatz dann praxisorientierter, mit direkterer Einbindung und Investorenunterstützung, insbesondere in Fertigungsbranchen wie der Automobil- und Elektronikindustrie. Mitte der 2010er Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt erneut in Richtung eines strategischeren Ansatzes, bei dem europäische Unternehmen dazu ermutigt wurden, nicht nur zu investieren, sondern Thailand tatsächlich in ihre regionalen Lieferketten zu integrieren.
Heute sind die Beziehungen wesentlich intensiver und strategischer geworden. Insbesondere mit Europa beschränkt sich die Zusammenarbeit nicht mehr nur auf den Fertigungssektor. Sie erstreckt sich zunehmend auf Innovation, Spitzentechnologien, Forschung und Entwicklung, Nachhaltigkeit sowie den Wandel hin zu höherwertigen Industriezweigen. Der Schwerpunkt liegt daher mittlerweile nicht mehr nur auf der Gewinnung von Kapital, sondern auf dem Aufbau langfristiger industrieller Partnerschaften, die Thailands künftigen wirtschaftlichen Wandel unterstützen können.
Auf welche internationalen Unternehmenserfolge sind Sie besonders stolz? Warum?
Wir definieren „Erfolgsgeschichten“ nicht im engeren Sinne. Was für uns am wichtigsten ist, ist die große Bandbreite an Unternehmen, die wir unterstützen konnten – Unternehmen unterschiedlicher Größe und aus verschiedenen Branchen.
Über das Thailand Board of Investment arbeiten wir mit allen zusammen – von großen, traditionsreichen multinationalen Konzernen aus Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Automobilindustrie, Medizintechnik, Biotechnologie und Digitalwirtschaft bis hin zu mittelständischen Unternehmen und sogar kleineren, wachstumsstarken Firmen.
Was für uns besonders hervorsticht, ist nicht ein einzelnes Unternehmen, sondern die Tatsache, dass diese Firmen Thailand als Ausgangspunkt für ihre internationale Expansion wählen – oft in einem sehr wettbewerbsintensiven regionalen Umfeld. Diese Entscheidung an sich spiegelt ein hohes Maß an Vertrauen in unser Ökosystem wider.
Besonders stolz sind wir auch auf die langfristigen Beziehungen, die wir pflegen. Es geht nicht nur darum, einmalig Investitionen zu gewinnen, sondern darum, Unternehmen auf ihrem gesamten Wachstumsweg zu begleiten und ihnen dabei zu helfen, im Laufe der Zeit zu expandieren, sich anzupassen und ihre Präsenz zu stärken.
In diesem Sinne sehen wir unsere Aufgabe darin, gemeinsam mit ihnen Erfolg zu schaffen und dabei einen Beitrag zur allgemeinen industriellen Entwicklung Thailands zu leisten.
Was sind dieDienstleistungen bzw. Unterstützungsangebote, die von Unternehmen am häufigsten angefragt werden, wenn sie eine Niederlassung in Thailand gründen möchten?
Unternehmen, die sich in Thailand niederlassen möchten, erkundigen sich in der Regel als Erstes nach unserem Investitionsförderungsprogramm. Dabei handelt es sich um eine staatliche Maßnahme, die sowohl steuerliche als auch nichtsteuerliche Anreize bietet. Wir unterstützen Unternehmen dabei, zu prüfen, ob ihre geplanten Aktivitäten unter die förderfähigen Sektoren fallen – es gibt mehr als 400 Aktivitäten in den Bereichen Produktion und Dienstleistungen.
Für Unternehmen, die sich noch in einer frühen Phase befinden und noch nicht bereit sind, Investitionen zu tätigen, liegt der Schwerpunkt oft eher auf dem Markteintritt und dem Verständnis des Marktes. In solchen Fällen unterstützen wir sie in der Regel mit ersten Markteinblicken und Ratschlägen zur Herangehensweise am thailändischen Markt, da der erste Schritt oft darin besteht, Kunden zu identifizieren und die Nachfrage zu testen.
Darüber hinaus besteht ein wesentlicher Teil unserer Aufgabe darin, Unternehmen mit dem richtigen Ökosystem zu vernetzen, darunter relevante Behörden, Partner aus der Privatwirtschaft, lokale Lieferanten und Branchennetzwerke. Außerdem arbeiten wir eng mit den europäischen Handelskammern in den von uns betreuten Ländern zusammen, was den Unternehmen hilft, sich vor ihren Entscheidungen ein klareres Bild vom Markt zu verschaffen.
Insgesamt reicht die Unterstützung also von einer Marktorientierung in der Frühphase bis hin zur umfassenden Investitionsförderung, je nachdem, in welcher Phase sich das Unternehmen befindet.
Was sind die wichtigsten Herausforderungen, auf die sich Unternehmen vorbereiten müssen, bevor sie nach Thailand expandieren? Und wie unterstützen Sie sie bei diesem Prozess?
Die häufigste Herausforderung für Unternehmen sind Bürokratie und Verwaltungsverfahren. Der Prozess ist nach wie vor mit einem hohen Papieraufwand verbunden und erfordert oft die Einbeziehung mehrerer Behörden, beispielsweise bei der Beantragung von Lizenzen, Genehmigungen oder Visa.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat das Thailand Board of Investment das OSOS-Servicezentrum eingerichtet, das als zentrale Anlaufstelle für Investoren dient. Dort sind Mitarbeiter verschiedener öffentlicher und privater Einrichtungen an einem Ort versammelt, sodass Unternehmen effizienter auf Informationen, Beratung und administrative Unterstützung zugreifen können. Dadurch müssen Investoren nicht mehr zwischen verschiedenen Ämtern in der ganzen Stadt hin- und herfahren, was den Gründungsprozess erheblich vereinfacht.
Darüber hinaus ist insbesondere im verarbeitenden Gewerbe die Stärke lokaler industrieller Ökosysteme ein weiterer wichtiger Faktor. Thailand verfügt über sehr gut entwickelte Cluster, beispielsweise in der Automobil- und Elektronikbranche, in denen Zulieferer, Fachkräfte, Logistik und Infrastruktur bereits in hohem Maße konzentriert sind. Diese Netzwerke basieren oft auf langfristigen Beziehungen, und in manchen Fällen können auch Wettbewerber als potenzielle Partner Teil desselben Ökosystems sein.
Wenn wir also Unternehmen beraten, betonen wir stets, wie wichtig es ist, innerhalb dieser Cluster den richtigen Standort zu wählen. Dies kann sich unmittelbar auf die Kosteneffizienz, den Zugang zu Fachkräften und die Geschwindigkeit der Unternehmensgründung auswirken. Ohne dieses Verständnis könnten Unternehmen Nachteile in Bezug auf Kosten, betriebliche Effizienz und Markteinführungszeit hinnehmen müssen.
Wenn Sie drei Ratschläge für ein Unternehmen hätten, das seine Präsenz in Thailand ausbauen möchte, welche wären das?
Zunächst einmal möchte ich sagen: Machen Sie sich keine allzu großen Sorgen über politische Veränderungen, die von Zeit zu Zeit in Thailand eintreten können. Aus den Rückmeldungen, die wir regelmäßig von etablierten Unternehmen erhalten, geht hervor, dass die Wirtschaft unabhängig von politischen Umbrüchen stabil bleibt. Die Unternehmen setzen ihren Betrieb fort und wachsen auch in solchen Phasen weiter.
Zweitens ist es sehr wichtig, sich Zeit zu nehmen, um die thailändische Kultur zu verstehen. Die Art und Weise, wie hier Geschäfte getätigt werden, ist stark von „Soft Power“ geprägt – kleine Gesten, der Kommunikationsstil und der Respekt vor kulturellen Normen spielen eine entscheidende Rolle. Dies trägt dazu bei, engere Beziehungen aufzubauen, nicht nur zu den Mitarbeitern, sondern auch zu Lieferanten und Geschäftspartnern.
Drittens würde ich empfehlen, vor allem in der Anfangsphase auf lokale Unterstützung zurückzugreifen, sei es durch Rechtsberater oder Dienstleister. Viele Verwaltungsprozesse werden auf Thailändisch abgewickelt und erfordern lokales Fachwissen. Mit der Zeit können Unternehmen interne Kompetenzen aufbauen, doch in der Anfangsphase ist die richtige Unterstützung unerlässlich.
Gleichzeitig ist es wichtig zu erkennen, dass Thailand auch über einen wachsenden Pool an fähigen Führungskräften verfügt. Diese Fachkräfte sind zunehmend in der Lage, Führungsrollen zu übernehmen, sich schnell anzupassen und wichtige operative Entscheidungen zu treffen, was Unternehmen dabei hilft, im Laufe der Zeit effektiver zu wachsen.
In welcher weiteren Funktion könnte ein Partner wie Altios Sie und Ihr Team bei Ihren weltweiten Aktivitäten unterstützen?
Wir messen Marktanalysen und der gezielten Ansprache von Investoren großen Stellenwert bei, insbesondere bei der Identifizierung geeigneter Unternehmen in einer frühen Phase ihrer internationalen Expansion, die zu den von uns geförderten Aktivitäten passen. Dies würde es uns ermöglichen, unser Engagement effektiver zu fokussieren und von Beginn an relevantere Investorenprofile anzusprechen, wodurch sich die Gesamteffizienz und die Wirkung unserer Aktivitäten verbessern würden.
Wir arbeiten seit fast 10 Jahren mit Frenger, mittlerweile Altios International, zusammen und sind mit der geleisteten Unterstützung sehr zufrieden. Die Tatsache, dass Altios nun auch in Thailand vertreten ist, bestärkt uns noch mehr in unserer Überzeugung, diese langfristige Partnerschaft fortzusetzen und weiter auszubauen.
Insgesamt schätzen wir diese Partnerschaft sehr und freuen uns darauf, sie in Zukunft weiter auszubauen.
Erfahren Sie mehr über das Thailand Board of Investment