Könnten Sie in wenigen Worten den Sparkassen Country Desk und seine internationale Geschichte vorstellen?
Der S-Country Desk wurde 2003 von der sogenannten „G25“ – den 25 größten Sparkassen Deutschlands – gegründet. Ziel war es, diese Sparkassen bei der Betreuung ihrer Kunden im Ausland zu unterstützen. So bauten wir ein Netzwerk auf, das bestimmte Länder abdeckt. Ein wichtiger Meilenstein wurde 2016 mit der Einführung einer mobilen App erreicht, die einen einfachen Zugriff auf Wirtschaftsdaten aus zahlreichen Ländern ermöglicht. Angesichts der steigenden Nachfrage nach den Dienstleistungen des S-Country Desk wurde ich 2023 als Geschäftsführer eingestellt, um den Ausbau des Leistungsangebots der Organisation voranzutreiben.
Heute fungieren wir nicht mehr nur als Netzwerkmanagement-Organisation für die G25, sondern koordinieren die internationalen Aktivitäten für die meisten der 338 deutschen Sparkassen. Unser vorrangiges Ziel ist es, die Sparkassen und S-Internationals zu unterstützen, indem wir das internationale Netzwerk koordinieren und Produkte sowie Prozesse im Bereich Außenhandel sowie im Zins-, Devisen- und Rohstoffrisikomanagement harmonisieren. Damit soll erreicht werden, dass Kunden – ob in München oder Hamburg – das Gefühl haben, es mit einer einzigen, globalen Organisation zu tun zu haben, die sie überall auf der Welt begleiten kann. Deshalb ist uns unsere Partnerschaft mit Altios so wichtig.
Was waren die wichtigsten Etappen Ihrer internationalen Entwicklung?
Unser internationales Wachstum basierte auf dem Aufbau eines beeindruckenden Netzwerks, das mittlerweile 153 Länder umfasst. Anstatt Endkunden direkt anzusprechen, haben wir uns als strategisches Unterstützungssystem für lokale Sparkassenberater positioniert. Betrachten wir ein Beispiel: Wenn ein kleines deutsches Unternehmen in Bangladesch oder Südafrika Unterstützung benötigt, greift seine lokale Bank auf das Fachwissen unseres Netzwerks zurück. Diese Expansion folgt einer Logik der Notwendigkeit für den „Mittelstand“. Angesichts sehr hoher Energie- und Arbeitskosten sowie strenger Vorschriften in Deutschland sehen sich viele spezialisierte KMU gezwungen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Oft müssen sie ihren Großkunden, d. h. deutschen Automobilherstellern, „folgen“, wenn diese Fabriken im Ausland eröffnen, um ihre Lieferverträge zu sichern.
Der entscheidende Schritt bestand daher darin, diese globale Infrastruktur aufzubauen, um diese agilen Unternehmen – die in bestimmten Nischen oft weltweit führend sind – bei ihrer Expansion über die deutschen Grenzen hinaus zu unterstützen.
Was war die prägendste Entscheidung in Ihrer internationalen Laufbahn?
Bei der Entwicklung des S-CountryDesk gab es zwei wesentliche Meilensteine. Der erste wichtige Meilenstein war die Einführung unserer Anwendung und der Plattform „S-Worldwide“ im Jahr 2016, wodurch der Zugang zu internationalen Informationen für die Sparkassen digitalisiert wurde. Anstatt lediglich Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, haben wir uns entschlossen, konkrete Werkzeuge bereitzustellen: Wirtschaftsberichte, Echtzeitdaten und die Überwachung regulatorischer Entwicklungen. Der zweite Meilenstein war die Einrichtung einer zentralen Geschäftsführungseinheit für die Außenhandelsaktivitäten der Sparkassen und von S-Internationals.
Auf welchenauf welchen internationalen Erfolg sind Sie besonders stolz? Warum?
Am stolzesten sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, unsere Organisation trotz rascher technologischer Veränderungen seit über 20 Jahren auf dem neuesten Stand zu halten. Unsere größte Errungenschaft war es, in den letzten zwei Jahren den Großteil der 338 deutschen Sparkassen durch die Gründung einer gemeinsamen Einheit erfolgreich zu vereinen. Dies war eine enorme Herausforderung, da jede Sparkasse grundsätzlich und naturgemäß völlig autonom ist und über eine eigene Geschäftsführung verfügt. Zu sehen, wie eine kleine ländliche Sparkasse über unser Netzwerk die Expansion eines lokalen Kunden nach Vietnam oder Brasilien unterstützt, ist für mich eine Quelle großer Zufriedenheit. Dieser Erfolg beweist, dass unser dezentrales Modell effektiv ist und mit großen internationalen Privatbanken konkurrieren kann. Kurz gesagt: Der Stolz meines Teams und meiner Person liegt in der Umwandlung eines informellen Netzwerks von Kontakten in eine strukturierte, zentralisierte kollektive Kraft, die den Sparkassen und S-Internationals im Dienste ihrer Kunden steht.
Was war Ihre größte Herausforderung im Ausland?
Wie in jeder anderen Branche gibt es auch hier kleinere alltägliche Herausforderungen. Betrachtet man die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre, so wird deutlich, dass zahlreiche Unternehmen mit einem hohen Maß an Unsicherheit konfrontiert waren. Daher ist das internationale Geschäft zunehmend unvorhersehbar geworden.
Wiegehen Sie konkret mit geopolitischen Risiken in Ihren internationalen Geschäftsaktivitäten um?
In einer unsicheren Welt, die sich allmählich von der multilateralen Zusammenarbeit abwendet, rücken geopolitische Überlegungen zunehmend in den Vordergrund, wenn Unternehmen beschließen, ihre internationalen Aktivitäten auf die nächste Stufe zu heben – insbesondere im Hinblick auf Investitionsentscheidungen. Geopolitik ist daher nicht mehr nur ein Thema für multinationale Konzerne, sondern betrifft KMU ebenso stark. An dieser Stelle kommen die Sparkassen und die S-Internationals ins Spiel. Die Frage für einen Banker lautet nicht: Was passiert in der Welt? Sondern: Was könnte die Umsätze, Zahlungen oder die Einhaltung von Lieferverpflichtungen der Kunden beeinträchtigen? Es gibt zahlreiche Bankprodukte, die diese Art von Risiken mindern.
Dies ist das klassische Bankgeschäft, und natürlich bieten auch die Sparkassen und S-Internationals das gesamte erforderliche Produktportfolio an. Die Sparkassen und S-Internationals haben jedoch gegenüber anderen Banken einen zusätzlichen Vorteil: Sie unterstützen ihre Kunden direkt, wenn diese ihren Standort verlegen oder ihre Geschäftsaktivitäten ins Ausland ausweiten möchten. Gestützt auf ein internationales Netzwerk können sich ihre Kunden vom allerersten Schritt an auf uns verlassen. So profitieren sie von lokalem Know-how und praxisorientierter Unterstützung. Dies ermöglicht es ihnen, komplexe geopolitische Herausforderungen auf länderspezifischer Ebene anzugehen und ihre internationalen Geschäftsentscheidungen sicherer, nachhaltiger und strategisch fundierter zu treffen.
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Veränderungen, die KMU umsetzen müssen, um sich an die „neue internationale Realität“ anzupassen? Warum? Wie?
Die wichtigste Veränderung besteht darin, dass das Wachstum einer großen Zahl deutscher Unternehmen künftig nicht mehr aus dem Inland, sondern aus dem Ausland kommen wird. Mittelständische Unternehmen müssen akzeptieren, dass eine ausschließliche Konzentration auf den deutschen Markt aufgrund hoher Produktionskosten (Arbeits- und Energiekosten) und der regulatorischen Belastung zu einem potenziellen Risiko wird. Die „neue Realität“ ist daher oft eine Hinwendung zur Internationalisierung: Viele KMU haben bestätigt, dass sie gerade aufgrund ihrer internationalen Aktivitäten enorme Produktinnovationen und -entwicklungen vorantreiben konnten. Somit ist die Internationalisierung nicht nur ein Wachstumsmotor, sondern auch ein wesentlicher Faktor für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
Für den S-Country Desk bedeutet dies, dass unsere Rolle als Koordinator noch wichtiger werden wird, insbesondere da immer mehr kleine Unternehmen, die mit solchen Schritten noch nicht vertraut sind, den Sprung in den Export wagen und weltweite Tochtergesellschaften oder Niederlassungen gründen müssen.
Welche Rolle sollte ein Partner wie Altios in Zukunft spielen, um Ihnen dabei zu helfen, Ihre internationale Expansion voranzutreiben?
Die entscheidende Rolle eines Partners von morgen besteht darin, fundiertes Branchenwissen und perfekte Ortskenntnisse bereitzustellen, um mir als Führungskraft Zeit zu sparen. Ein guter Partner muss uns dabei helfen, uns im lokalen Regelwerk zurechtzufinden, um kostspielige Fehler zu vermeiden. Das ist der Grund, warum die Zusammenarbeit mit Altios so wertvoll ist.
HWie können Sie Ihre Teams künftig für komplexe internationale Projekte gewinnen?
Es liegt auf der Hand, dass Bankauszubildenden bereits frühzeitig ein internationales Bewusstsein vermittelt werden sollte. Praktische Erfahrungen, insbesondere durch Praktika oder Auslandsaufenthalte (z. B. organisierte Reisen nach London für junge Berufseinsteiger), sind der beste Weg, um die Komplexität der globalen Märkte zu verstehen. Mit der Zeit entwickeln die Auszubildenden dann ein Gespür für komplexe internationale Aufgaben und den Wunsch, diese zu lösen.
Wenn Sie drei Ratschläge für eine Führungskraft eines KMU hätten, die die internationale Expansion vorantreiben möchte, welche wären das?
Kurz gesagt:
- Ein tiefgreifendes Verständnis des Zielmarktes.
- Ein klarer und strategischer Planungsprozess.
- Ein lokaler Anker in den angestrebten Eintrittsmärkten.
Ein Faktor, den man niemals aus den Augen verlieren darf, ist die Zeit.
Ein erfolgreicher Internationalisierungsprozess entsteht nicht spontan, sondern durch gründliche Vorbereitung und Beharrlichkeit.
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